Foto der Scheune (1940), in der die Menschen umgebracht wurden.
Tötungsanstalt Grafeneck.

In der NS-Zeit wurden auf Schloss Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) behinderte Menschen ermordet. Die Nationalsozialisten stuften deren Leben als "unwert" ein. Für Tausende kranker und auf Hilfe angewiesener Menschen bedeutete dieser Ort ihre "Endstation". Auf Grafeneck wurden damals über 10.000 Menschen getötet. Die Hinterbliebenen erhielten Trostbriefe, in denen als Todesursache andere Gründe genannt wurden.


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Geschichtlicher Hintergrund

Was passierte im "Dritten Reich" mit behinderten Menschen?

Die Bedeutung des Ortes

Vorgeschichte - Die Insassen - Einrichtung der Anstalt

Die Trostbrief-Abteilung

Trostbrief-Abteilung - Absteck-Abteilung - Standesamt - Beisetzung

Ein Trostbrief aus Grafeneck

Ein erfundener Brief, der stellvertretend für die vielen Briefe steht, die Hinterbliebene der Ermordeten erhielten.

Die Tötungsanlage

Aufbau und Inbetriebnahme der "Euthanasie"-Anlage in Grafeneck

Die Organisation im Lager

Transport - "Untersuchung" der Patienten - Tötung - Verbrennung

Die Opfer

Gibt es genaue Angaben über die Anzahl der Opfer?

Das Ende der Anstalt

Erschütternde Hintergrundinformationen zu Grafeneck

Grafeneck heute

Gedenkstätte - Projekt Namenssuche / Alphabetgarten - Gedenken und Mahnen

Begegnung vor Ort

Gespräch mit dem Historiker Thomas Stöckle

Über diese Seite

Hintergrundinformationen zu diesem Projekt

Danke

Kurzbeschreibung

Hier erfahren Sie mehr über das "Euthanasie"- Programm des "Dritten Reiches" in Grafeneck. Diese Internetseite ist ein Produkt, das aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema im Rahmen einer projektartigen Arbeit entstanden ist.

Liste mit den Namen der Opfer?

Seit dem Publizieren dieser Seite erreichen uns Anfragen, ob wir Auskünfte über die Namen der Opfer von Grafeneck erteilen könnten. Viele Angehörige forschen nach dem Schicksal ihrer verschollenen Verwandten und möchten endlich Gewissheit erlangen. Solche Auskünfte können wir leider nicht erteilen.

Webstandards beachtet

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Externe Weblinks

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Endstation Grafeneck

Der Ort Grafeneck befindet sich auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) in Deutschland. In Grafeneck wurden zur Zeit des Nationalsozialismus Menschen umgebracht. Die Nazis verharmlosten diese Morde an Behinderten als "Gnadentod".

Die Farbfotos auf dieser Seite wurden im Juli 2005 in Grafeneck bei Münsingen aufgenommen, wo heute eine Gedenkstätte an die Opfer erinnert.

Bei unseren Besuchen auf Schloss Grafeneck haben wir auch den Historiker und Buchautor Thomas Stöckle getroffen. Wir führten ein interessantes Gespräch mit Herrn Stöckle und erfuhren viele Einzelheiten über diesen Ort und die dort begangenen NS-Verbrechen. Auf dieser Webseite versuchen wir die wichtigsten Ergebnisse unserer Auseinandersetzung mit dem Thema zu dokumentieren.

Das idyllische Jagdschloss wird zur Tötungsanstalt

In Grafeneck begannen die Nazis systematisch Menschen zu ermorden. 1940 brachten sie hier mit Gas mehr als 10.000 Behinderte und psychisch Kranke um. Es war eine Idylle, ein Jagdschloss der württembergischen Herzöge auf der Schwäbischen Alb. Von 1929 an war es zudem Heimat für 110 behinderte Männer. Hier fanden sie Sicherheit, Pflege und Versorgung. Am 14. Oktober 1939 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Grafeneck von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in wenigen Wochen zur Tötungsanstalt umgebaut.

"Aktion Gnadentod" für "lebensunwertes Leben"

Die "Landes-Pflegeanstalt Grafeneck" war die erste von später sechs Einrichtungen in Deutschland, in denen die nationalsozialistischen Machthaber ihr Mordprogramm durchführten, das sie verharmlosend "Aktion Gnadentod" nannten. Insgesamt fielen ihm mehr als 70.000 psychisch Kranke und Menschen mit Behinderungen zum Opfer, aber auch Männer und Frauen, die auf gerichtliche Anordnung in psychiatrische Anstalten eingewiesen worden waren, die als politisch unliebsam oder sozial unangepasst galten. "Lebensunwertes Leben", befanden die Nazis zynisch. Für die Morde in Grafeneck wurde erstmals in Deutschland eine stationäre Gaskammer verwendet.

Gedenken an die Opfer

Die in Stein gemeißelte Inschrift der Gedenktafel, die man heute an diesem Ort vorfindet, lautet:
"Gedenkstätte Grafeneck. Für 10654 kranke und behinderte Menschen, die hier 1940 durch das nationalsozialistische Regime als 'lebensunwertes Leben' ermordet wurden."
Bewegen Sie für eine vergrößerte Darstellung den Mauszeiger über das Bild.

Bis Dezember 1940 wurden mindestens 10.654 Kinder, Frauen und Männer aus Württemberg und Hohenzollern, Baden, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Ihre Leichen wurden verbrannt, die Asche verstreut, die Spuren ihres Lebens verwischt, die Verbrechen vertuscht. Nichts sollte mehr an die Opfer und Täter erinnern.

Die Sprachlosigkeit auch nach Kriegsende wurde durchbrochen, als 1990 die Gedenkstätte Grafeneck eingeweiht wurde. Der so genannte "Alphabetgarten", der ein Buch mit einer Namensliste der Opfer enthält, der Friedhof, ein Mahnmal und Gedenktafeln (vgl. die Abbildungen auf dieser Seite) sind Teil der Gedenkstätte. Sie wird jährlich von rund 10.000 Gästen besucht.

Heute leben auf Schloss Grafeneck wieder behinderte Menschen in Wohngruppen. Träger der Einrichtung ist das Samariterstift. Als Einrichtung der Behindertenhilfe und der Sozialpsychiatrie steht es für eine zeitgemäße Förderung, Betreuung und Pflege von bis zu 117 Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen sowie chronischen psychischen Erkrankungen.