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Geschichtlicher Hintergrund

Was passierte im "Dritten Reich" mit behinderten Menschen?

Die Bedeutung des Ortes

Vorgeschichte - Die Insassen - Einrichtung der Anstalt

Die Trostbrief-Abteilung

Trostbrief-Abteilung - Absteck-Abteilung - Standesamt - Beisetzung

Ein Trostbrief aus Grafeneck

Ein erfundener Brief, der stellvertretend für die vielen Briefe steht, die Hinterbliebene der Ermordeten erhielten.

Die Tötungsanlage

Aufbau und Inbetriebnahme der "Euthanasie"-Anlage in Grafeneck

Die Organisation im Lager

Transport - "Untersuchung" der Patienten - Tötung - Verbrennung

Die Opfer

Gibt es genaue Angaben über die Anzahl der Opfer?

Das Ende der Anstalt

Erschütternde Hintergrundinformationen zu Grafeneck

Grafeneck heute

Gedenkstätte - Projekt Namenssuche / Alphabetgarten - Gedenken und Mahnen

Begegnung vor Ort

Gespräch mit dem Historiker Thomas Stöckle

Über diese Seite

Hintergrundinformationen zu diesem Projekt

Danke

Kurzbeschreibung

Hier erfahren Sie mehr über das "Euthanasie"- Programm des "Dritten Reiches" in Grafeneck. Diese Internetseite ist ein Produkt, das aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema im Rahmen einer projektartigen Arbeit entstanden ist.

Liste mit den Namen der Opfer?

Seit dem Publizieren dieser Seite erreichen uns Anfragen, ob wir Auskünfte über die Namen der Opfer von Grafeneck erteilen könnten. Viele Angehörige forschen nach dem Schicksal ihrer verschollenen Verwandten und möchten endlich Gewissheit erlangen. Solche Auskünfte können wir leider nicht erteilen.

Webstandards beachtet

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Externe Weblinks

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Die Tötungsanlage

Die eigentliche "Euthanasie"-Anlage, nicht aber das Schloss selbst, war von einem Bretterzaun umgeben, der auf der Marbach zugewandten Seite mit vier Metern deutlich höher war, vermutlich, um den Blick von den höher gelegenen Feldern der anderen Talseite auf den Ort des Geschehens zu verhindern. Es gab zwei verschlossene Tore in der Bretterwand, die die Straße zum Schloss abriegelten, aber groß genug waren, um auch Busse passieren zu lassen.

Grafeneck-Lageplan

Nach Einfahrt durch das obere Brettertor befand sich linkerhand eine 68 Meter lange und sieben Meter breite Aufnahmebaracke, die in mehrere Räume unterteilt war. In einem dieser Räume waren etwa 100 Betten aufgestellt, mit Strohsäcken belegt und mit Bettwäsche bezogen. Inwieweit dieser Raum jemals benutzt wurde, ist nicht bekannt, doch ist davon auszugehen, dass eine längere Aufnahme hier zu keinem Zeitpunkt erfolgte. Als diese Baracke 1941 nicht mehr gebraucht wurde, wollte sie Dr. Stähle vom Stuttgarter Innenministerium der HJ-Gebietsleitung als Wehrertüchtigungslager übergeben. Die HJ lehnte das damals ab, möglicherweise in Kenntnis ihrer vorherigen Verwendung. Als KLV-Lager diente Grafeneck dann bis zum Ende des Krieges der Kinderlandverschickung aus bestimmten Regionen des Reiches, wie beispielsweise dem Düsseldorfer und Kölner Raum.

Jenseits der Straße wurde eine weitere Baracke errichtet, in der ein Sanitätskraftwagen mit Liegeeinrichtungen sowie zwei, später drei Busse der Reichspost untergebracht waren, die die Krankentransporte besorgten. Der unregelmäßige Grundriss des Gebäudes ist wohl auf die vorhandenen Alleebäume zurückzuführen, die man aus Tarnungsgründen nicht fällen wollte.

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Gaskammer

Ebenfalls direkt an der Straße stand die Baracke, die die drei fahrbaren, mit Koks beheizten Verbrennungsöfen der Firma Topf aufnahm. Mit Hilfe einer speziellen Einschubvorrichtung konnten hier jeweils mehrere Leichen auf einmal verbrannt werden. Da beim pausenlosen Tag- und Nachteinsatz der Öfen die Hitze- und Rauchentwicklung ziemlich groß war, entfernte man vorsorglich das Dach der Baracke. Dass die umstehenden Bäume allerdings dann bald geschwärzt dastanden, konnte man nicht verhindern.

Schuppen, der als Gaskammer diente

Durch ein Tor im Zaun an der Straße gelangte man schließlich zu jener Remise, in der der eigentliche Tötungsvorgang ablief. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Wasch- und Backhaus eines der Vorbesitzer Grafenecks, des Baron Freiherr von Tessin, das dieser im Jahre 1913 hatte errichten lassen. An der linken Stirnseite des Schuppens, der in der Folge der Vergasung dienen sollte, befand sich ein gemauerter zweigeteilter Raum mit einer Tür und je einem Fenster an Seiten- und Rückwand. Dieser Raum nahm die Kohlenmonoxidflaschen auf, die den Tod brachten. An diesen Gebäudeteil reihten sich drei weitere Räume, von denen jeder vier Meter breit und sechs Meter tief war.

Der linke und mittlere Raum wurde zusammengelegt und ergab einen Raum, der jetzt 75 Personen fassen konnte. Er war als "Duschraum" getarnt und mit Bänken, Holzrosten und Brauseköpfen ausgestattet. Zum gemauerten linken Raum hin besaß er ein Sichtfenster, an der Rückwand zwei Ventilatoren. Im Raum an der rechten Stirnseite befanden sich Kleiderhaken und Bänke, die der Entkleidung dienten.

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Das südwestliche Ende der Todeszone markierte ein ebenfalls vom Vorbesitzer 1911 erbauter runder Reitstall, "Reitzirkel" genannt. Er war ganz aus Holz erbaut und besaß einen Durchmesser von 15 Metern. Über seine Verwendung im Jahre 1940 ist nichts Genaueres bekannt, da aber gelegentlich von einem "Totenraum" in Grafeneck die Rede ist, kann angenommen werden, dass hier die vergasten Leichen bis zu ihrer späteren Verbrennung abgelegt wurden.

Um das ganze Areal verlief besagter Bretterzaun, der die Anlage den Blicken Außenstehender entzog. Eine Reihe von Maßnahmen im Außenbereich sicherten Schloss und Todeszone nach außen ab und machten den Zutritt für Unbefugte unmöglich. Unweit des Bahnübergangs, noch bevor die Auffahrt zum Schloss im Wald begann, wurde ein Postenhaus und eine Holzwand errichtet, die ein so großes Tor hatte, dass Busse und LKWs hindurchfahren konnten. Dieses Postenhaus besaß ein Telefon, konnte also rechtzeitig nach oben melden, wer da als Besucher ankam, wenn überhaupt die Passage erlaubt wurde.

Beim Bahngleis selbst war eine Verbotstafel mit der Aufschrift "Betreten wegen Seuchengefahr verboten" angebracht. Eine weitere Tafel stand dort, wo die Straße nach Grafeneck von der alten Münsinger Straße im spitzen Winkel abzweigt. Die schon vorhandenen Drahtzäune der Viehweiden wurden verstärkt und zusätzlich mit Stacheldraht versehen. Von nun an patrouillierten Uniformierte mit Hund und Schusswaffe um ganz Grafeneck.

Inbetriebnahme

Die Verlegungen nach Grafeneck setzten bereits im Januar 1940 ein. Es waren die ersten Verlegungen und Tötungen im Rahmen der ”Aktion T4”. Die Erlasse, nahezu gleichlautend für Württemberg und Baden, waren am 23. November 1939 in Württemberg und am 28. November 1939 in Baden den staatlichen Anstalten zugegangen.

Südwestdeutschland war somit die erste Region, die von der "Euthanasie"-Aktion erfasst wurde. Die erste Anstalt in Württemberg, aus der Patienten nach Grafeneck ”verlegt” wurden, war die staatliche Heilanstalt Weinsberg. Dies geschah in den letzten Januartagen 1940. Im Wochenbericht der Anstalt vom 29. Januar 1940 an das Württembergischen Innenministerium heißt es über den Abtransport vom 26. Januar lapidar:

Außerdem wurden 48 Pat. (w.) von der Gemeinnützigen Krankentransport GmbH abgeholt.

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