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Geschichtlicher Hintergrund

Was passierte im "Dritten Reich" mit behinderten Menschen?

Die Bedeutung des Ortes

Vorgeschichte - Die Insassen - Einrichtung der Anstalt

Die Trostbrief-Abteilung

Trostbrief-Abteilung - Absteck-Abteilung - Standesamt - Beisetzung

Ein Trostbrief aus Grafeneck

Ein erfundener Brief, der stellvertretend für die vielen Briefe steht, die Hinterbliebene der Ermordeten erhielten.

Die Tötungsanlage

Aufbau und Inbetriebnahme der "Euthanasie"-Anlage in Grafeneck

Die Organisation im Lager

Transport - "Untersuchung" der Patienten - Tötung - Verbrennung

Die Opfer

Gibt es genaue Angaben über die Anzahl der Opfer?

Das Ende der Anstalt

Erschütternde Hintergrundinformationen zu Grafeneck

Grafeneck heute

Gedenkstätte - Projekt Namenssuche / Alphabetgarten - Gedenken und Mahnen

Begegnung vor Ort

Gespräch mit dem Historiker Thomas Stöckle

Über diese Seite

Hintergrundinformationen zu diesem Projekt

Danke

Kurzbeschreibung

Hier erfahren Sie mehr über das "Euthanasie"- Programm des "Dritten Reiches" in Grafeneck. Diese Internetseite ist ein Produkt, das aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema im Rahmen einer projektartigen Arbeit entstanden ist.

Liste mit den Namen der Opfer?

Seit dem Publizieren dieser Seite erreichen uns Anfragen, ob wir Auskünfte über die Namen der Opfer von Grafeneck erteilen könnten. Viele Angehörige forschen nach dem Schicksal ihrer verschollenen Verwandten und möchten endlich Gewissheit erlangen. Solche Auskünfte können wir leider nicht erteilen.

Webstandards beachtet

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Externe Weblinks

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Das Ende der Anstalt Grafeneck

Über das Ende von Grafeneck als "Euthanasie"-Anstalt ist viel geschrieben und noch mehr an Vermutungen geäußert worden - das Meiste stimmt nicht.

Immer wieder wird vor allem der Brief der Frauenschaftsführerin Else von Löwis zitiert. Der oberste Richter der NSDAP, Walter Buch, dessen Frau die Empfängerin dieses Briefes war, leitete ihn an Himmler weiter mit der Bitte, den Dingen nachzugehen. Dieser antwortete ihm ausweichend, schrieb aber noch am selben Tag, dem 19. Dezember 1940, an den Oberdienstleiter der KdF, Viktor Brack.

Aus diesem berühmt gewordenen Brief meint man bis heute schließen zu müssen, Grafeneck sei auf Veranlassung Himmlers und wegen der Unruhe unter der Albbevölkerung geschlossen worden. Tatsache ist aber vielmehr, dass Grafeneck seine "Arbeit" programmgemäß beendet hat. Dem Personal hatte man schließlich schon bei der Einstellung im Columbushaus in Berlin gesagt, seine Tätigkeit in Grafeneck dauere bis Ende 1940.

Am 9. Dezember 1940 wohnte die damalige Direktorin der Zwiefaltener Anstalt, Frau Dr. Martha Fauser, einer der letzten Vergasungen in Grafeneck bei. Der die Kohlenmonoxyd-Flaschen (Fabrikat Mannesmann, gefüllt von BASF) bedienende "Euthanasie"-Arzt Dr. Baumhardt sagte ihr bei der Gelegenheit, es handle sich hierbei um die letzte in Grafeneck vorgenommene Tötung. In Wirklichkeit fand diese aber erst am 13. Dezember 1940 statt. Schon drei Tage zuvor, am 10. Dezember erhielt das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg vom Stuttgarter Innenministerium die telefonische Nachricht, die Anstalt Grafeneck sei ihrer Sonderbestimmung enthoben.

Das Grafenecker Personal machte in der Folge erst einmal Urlaub, später sollte es dann in Hadamar/Hessen seine grausige Tätigkeit fortsetzen. Einige blieben auch noch deswegen bis ins Frühjahr 1941 in Grafeneck, um dessen Übergabe vorzubereiten; sie konnten jedoch nicht alle Spuren tilgen. So zeugten z. B. die verbrannten Äste der Alleebäume noch lange davon, wo das Krematorium gestanden hatte.

Abschließend bleibt festzustellen: Grafeneck arbeitete planmäßig zu Ende, seine Tätigkeit wurde nicht durch Vorgänge von außen vorzeitig beendet. Himmlers Brief an Brack wurde erst 6 Tage nach der letzten Vergasung in Grafeneck geschrieben. Ende 1940 gab es in den Anstalten keine "geeigneten" Fälle mehr, schon in den letzten Wochen vor Grafenecks Ende gingen die Zahlen der Ermordeten merklich zurück.

In Himmlers Brief vom 19. Dezember hatte es geheißen, es sei am besten, die Anstalt Grafeneck einzustellen und insofern "aufklärend zu wirken, indem man gerade in der dortigen Gegend Filme über Erb- und Geisteskranke laufen lässt." Die Berliner T4-Zentrale befasste sich längst mit solchen Filmprojekten. Hermann Schweninger, zunächst als Transportleiter in Grafeneck eingesetzt, hatte Drehbuch-Entwürfe zu einem Film "Dasein ohne Leben" gefertigt.

Aus Aktennotizen geht hervor, dass besonders elende und missgestaltete Patienten vom Töten zurückgestellt wurden, um vorher gefilmt zu werden. Auch Grafeneck stellte eine Anzahl "besonders markanter Fälle von Idioten" von der Vergasung zurück und schickte sie nach Zwiefalten, damit sie noch gefilmt werden konnten. Dieser Film wurde im Laufe des Krieges fertig gestellt und einem auserwählten Kreis von Psychiatern vorgeführt. Die Öffentlichkeit bekam ihn allerdings nie zu sehen. Beim Einmarsch der Alliierten wurden die Kopien vernichtet. Man fand allerdings das ungeschnittene Rohmaterial 1991 in einem Ministerialarchiv der DDR in Potsdam in Kartons.

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