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Geschichtlicher Hintergrund

Was passierte im "Dritten Reich" mit behinderten Menschen?

Die Bedeutung des Ortes

Vorgeschichte - Die Insassen - Einrichtung der Anstalt

Die Trostbrief-Abteilung

Trostbrief-Abteilung - Absteck-Abteilung - Standesamt - Beisetzung

Ein Trostbrief aus Grafeneck

Ein erfundener Brief, der stellvertretend für die vielen Briefe steht, die Hinterbliebene der Ermordeten erhielten.

Die Tötungsanlage

Aufbau und Inbetriebnahme der "Euthanasie"-Anlage in Grafeneck

Die Organisation im Lager

Transport - "Untersuchung" der Patienten - Tötung - Verbrennung

Die Opfer

Gibt es genaue Angaben über die Anzahl der Opfer?

Das Ende der Anstalt

Erschütternde Hintergrundinformationen zu Grafeneck

Grafeneck heute

Gedenkstätte - Projekt Namenssuche / Alphabetgarten - Gedenken und Mahnen

Begegnung vor Ort

Gespräch mit dem Historiker Thomas Stöckle

Über diese Seite

Hintergrundinformationen zu diesem Projekt

Danke

Kurzbeschreibung

Hier erfahren Sie mehr über das "Euthanasie"- Programm des "Dritten Reiches" in Grafeneck. Diese Internetseite ist ein Produkt, das aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema im Rahmen einer projektartigen Arbeit entstanden ist.

Liste mit den Namen der Opfer?

Seit dem Publizieren dieser Seite erreichen uns Anfragen, ob wir Auskünfte über die Namen der Opfer von Grafeneck erteilen könnten. Viele Angehörige forschen nach dem Schicksal ihrer verschollenen Verwandten und möchten endlich Gewissheit erlangen. Solche Auskünfte können wir leider nicht erteilen.

Webstandards beachtet

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Externe Weblinks

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Grafeneck heute

Zum ersten Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird 1979 aus Anlass der 40. Wiederkehr des Jahrestages, an dem das Samariterstift Grafeneck beschlagnahmt und für "Zwecke des Reiches" in Anspruch genommen wurde, im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes der 10.654 Menschen mit Behinderungen gedacht, die 1940 an diesem Ort als "lebensunwertes Leben" ermordet wurden.

Damit haben Einrichtungsleitung und Mitarbeiter des Samariterstifts, Mitglieder des Evangelischen Jugendwerks Münsingen und eintausend Menschen der Region, die sich an einem Sternmarsch beteiligen, der öffentlichen Sprachlosigkeit und der Hilflosigkeit im Umgang mit den Verbrechen in Grafeneck 1940 ein Ende gesetzt.

Skulpturen

Der Gedenkgottesdienst wird in den darauffolgenden Jahren eine feste Einrichtung und ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil des Gedenkens an diesem Ort. Im Evangelischen Jugendwerk Münsingen findet sich ein Arbeitskreis zusammen, der den Gedenkgottesdienst gestaltet und in Zusammenarbeit mit dem Samariterstift Grafeneck erste Schritte unternimmt, Besucher über die Vergangenheit des Ortes zu informieren und die Erinnerung wach zu halten. Heute leben im Samariterstift Grafeneck wieder Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Wohngruppen.

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Gedenkstätte

Das zunehmende Interesse und das steigende Bedürfnis nach Information sowie nach einem konkreten Ort des Gedenkens, münden in die Planungen zur Errichtung der Gedenkstätte Grafeneck unter dem Leitgedanken: "Das Gedenken braucht einen Ort". Baubeginn der als einer offenen Kapelle konzipierten Gedenkstätte ist der Sommer 1989 mit einem vom Arbeitskreis gemeinsam mit dem Evangelischen Jugendwerk Württemberg initiierten internationalen Aufbaulager. Beim Gedenkgottesdienst am Buß- und Bettag 1990 wurde die Gedenkstätte Grafeneck ihrer Bestimmung übergeben.

Die Errichtung der Gedenkstätte sowie einer Dokumentation im Schlossgebäude markieren einen deutlichen Einschnitt für den Umgang mit den Ereignissen von 1940. Ab diesem Zeitpunkt steigt die Zahl der Besucher, die in Gruppen nach Grafeneck kommen, um sich mit der Geschichte des Ortes auseinander zu setzen, beständig an: Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Schularten, Konfirmandengruppen, Studierende, Gruppen aus Kirchengemeinden.

Daneben kommen in zunehmender Zahl auch Gruppen im Rahmen beruflicher Aus- und Fortbildung zur Gedenkstätte Grafeneck. Im Jahr 1997 lag die Zahl der Seminare, Führungen und Fortbildungen bei über 40, 1998 bei über 50.

Die Aufgaben, die Mitarbeiter des Samariterstifts Grafeneck und Mitglieder des Arbeitskreises ehrenamtlich übernehmen, wachsen, was ihre Zahl und ihren Umfang betreffen: Anfragen und Besuche von Angehörigen von Opfern, Kontakte zu Archiven, Gedenkstätten und den vielen mit Grafeneck verknüpften Einrichtungen, Vorbereitung und Betreuung der Besuchergruppen, Erarbeitung von Materialien und einer Dauerausstellung. Die zunehmende Belastung der mit diesen Aufgaben betreuten Personen führte 1994 zur Konstituierung des Arbeitskreises Gedenkstätte Grafeneck als eingetragenem Verein.

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Projekt Namenssuche

Unmittelbar im Anschluss an die Fertigstellung der Gedenkstätte im Jahr 1990 beginnt ein Projekt, das inhaltlich in engem Bezug zur Gedenkstätte selbst steht: Es ist die Suche nach den Namen der 10.654 Menschen mit Behinderungen, die 1940 in Grafeneck als sogenanntes "lebensunwertes Leben" ihrer Würde und ihres Lebens, ihres Namens und der Erinnerung beraubt wurden. In vierjähriger Suche kann der Arbeitskreis Gedenkstätte Grafeneck e.V. etwa 4.400 Namen wiederfinden. Sie werden im Gedenkbuch der Opfer der "Euthanasie" in Grafeneck 1940 aufgezeichnet und beim Gedenkgottesdienst 1995 erstmals öffentlich vorgestellt.

Bei der Fortsetzung des Projekts Namenssuche in den darauffolgenden Jahren werden nochmals etwa 2.000 Namen der Opfer wiedergefunden. So enthält das beim Gedenkgottesdienst am 18. Oktober 1998 in einer Unterbringungsmöglichkeit auf der Hinführungsmauer zur Gedenkstätte aufgelegte Gedenkbuch nahezu 6.500 Namen der Opfer der "Euthanasie" in Grafeneck.

Alphabetgarten

Gedenkbuch mit den Namen der Opfer In inhaltlicher Entsprechung zu diesem Projekt steht ein in seiner Art und seinem Charakter gänzlich anderes Denkmal. Nach einem Entwurf der aus Pittsburgh/USA stammenden Künstlerin Diane Samuels haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Aufbaulagers im August 1998 einen Alphabetgarten errichtet. Denkmal und Kunstwerk zugleich, verbindet er die Antwort der Künstlerin, hervorgegangen aus ihrer intensiven Auseinandersetzung mit Grafeneck und seiner Geschichte, mit der Suche nach den Namen der Menschen, die an diesem Ort 1940 ermordet wurden: Für die bekannten und die unbekannten Opfer - ein Alphabetgarten: 26 Granitquader, darauf eingemeißelt je ein Buchstabe des Alphabets. Aus diesen 26 Buchstaben sind die Namen aller Opfer - der namentlich bekannten wie auch der unbekannten - gebildet. Im Rahmen einer Gedenkfeier am 7. August 1998 wird der Alphabetgarten der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Gedenken und Mahnen

Die thematischen Schwerpunkte der Gedenkarbeit in Grafeneck orientieren sich auch in der näheren Zukunft an dem, was sie seit ihrem Beginn getragen hat. Zwei Begriffe benennen die beiden Aspekte der Erinnerung an die "Euthanasie" in Grafeneck 1940: Gedenken und Mahnen. Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen "Aktion T4".

Dies ist die Gedenkstätte Grafeneck vor allem in ihrer baulichen und künstlerischen Gestaltung, das Gedenkbuch, der Alphabet-Garten und der jährliche Gedenkgottesdienst. Zum Aspekt Mahnen gehört die Bewahrung der Dokumente des damals Geschehenen, das Gespräch mit Angehörigen der Opfer, vor allem die Weitergabe an Besucherinnen und Besucher - nicht nur als Information über ein historisches Ereignis, sondern im Sinne einer kritischen Bildungsaufgabe.

Themen wie die Bioethik-Debatte aber auch politischer Radikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit unterstreichen die Wichtigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Denken und den Vorgängen, die zur Ermordung von 10.654 Menschen in Grafeneck geführt haben.

Neben den Schwerpunkt Bildungsarbeit, der die Gedenkstätte Grafeneck auch als Lernort begreift, treten zukünftig weitere Aufgaben: Die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Dokumentation sowie die Errichtung einer Dokumentationsstätte mit Dauerausstellung.

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