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Geschichtlicher Hintergrund

Was passierte im "Dritten Reich" mit behinderten Menschen?

Die Bedeutung des Ortes

Vorgeschichte - Die Insassen - Einrichtung der Anstalt

Die Trostbrief-Abteilung

Trostbrief-Abteilung - Absteck-Abteilung - Standesamt - Beisetzung

Ein Trostbrief aus Grafeneck

Ein erfundener Brief, der stellvertretend für die vielen Briefe steht, die Hinterbliebene der Ermordeten erhielten.

Die Tötungsanlage

Aufbau und Inbetriebnahme der "Euthanasie"-Anlage in Grafeneck

Die Organisation im Lager

Transport - "Untersuchung" der Patienten - Tötung - Verbrennung

Die Opfer

Gibt es genaue Angaben über die Anzahl der Opfer?

Das Ende der Anstalt

Erschütternde Hintergrundinformationen zu Grafeneck

Grafeneck heute

Gedenkstätte - Projekt Namenssuche / Alphabetgarten - Gedenken und Mahnen

Begegnung vor Ort

Gespräch mit dem Historiker Thomas Stöckle

Über diese Seite

Hintergrundinformationen zu diesem Projekt

Danke

Kurzbeschreibung

Hier erfahren Sie mehr über das "Euthanasie"- Programm des "Dritten Reiches" in Grafeneck. Diese Internetseite ist ein Produkt, das aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Thema im Rahmen einer projektartigen Arbeit entstanden ist.

Liste mit den Namen der Opfer?

Seit dem Publizieren dieser Seite erreichen uns Anfragen, ob wir Auskünfte über die Namen der Opfer von Grafeneck erteilen könnten. Viele Angehörige forschen nach dem Schicksal ihrer verschollenen Verwandten und möchten endlich Gewissheit erlangen. Solche Auskünfte können wir leider nicht erteilen.

Webstandards beachtet

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Externe Weblinks

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Die Trostbrief-Abteilung

Eine eigene Abteilung in Grafeneck war zuständig für die Erstellung so genannter "Trostbriefe", die die Angehörigen eines Toten zusammen mit seinem persönlichen Eigentum erhielten.

Diese Briefe waren alle nach demselben Schema verfasst, man musste lediglich den Namen, die Todesursache und das Datum einsetzen. Laut Aussage im Grafeneck-Prozess vor dem Tübinger Schwurgericht wurde aber jeder Trostbrief extra geschrieben, um bei den Benachrichtigten nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, es handle sich um einen Abzug oder Schemabrief. Die Grafenecker Ärzte unterschrieben mit den falschen Namen Dr. Jäger und Dr. Keller. Um ihnen die Arbeit mit der einzusetzenden Todesursache zu erleichtern, bekamen sie eine Liste in die Hand, in der Kurzgutachten zusammengestellt waren.

Nicht immer glaubten die Angehörigen, was sie in den Trostbriefen lasen, vor allem dann nicht, wenn die Todesursache offensichtlich nicht stimmen konnte wie in einem Fall, dem man einen Tod durch Blinddarmdurchbruch bescheinigte, während die Angehörigen wussten, dass der Blinddarm längst entfernt worden war. In nicht wenigen Fällen wurde von den Angehörigen die wahre Sachlage erkannt und mehr oder weniger unverhohlen Protest geäußert.

Absteck-Abteilung

Als sich die Trostbriefe an Angehörige aus Grafeneck häuften, als der Tod zu vieler Kranker am gleichen Tag und am selben Ort Verdacht erregen musste, wurde im Frühjahr 1940 auf Anordnung von Berlin die sogenannte Absteck-Abteilung eingerichtet. In Grafeneck befanden sich im Absteckzimmer mehrere Karten an der Wand, für größere Städte auch Städtekarten. Auf diesen Karten wurde mittels farbiger Nadeln der Geburts- oder der Wohnort des Kranken abgesteckt.

Nach Bildung dieser Absteck-Abteilung kamen die Sterbeakten vom Arzt zuerst in den Absteck-Raum, wo entsprechend der Häufung von Todesfällen von Kranken aus der gleichen Region ein falscher Todestag in den vom Arzt beigefügten Totenschein eingetragen wurde. Erst danach gingen die Akten wieder zum Arzt zurück, der nun die Todesursache eintrug.

Um die gleiche Zeit kam auch von Berlin die Weisung, dass aus denselben Verschleierungsgründen Aktentausch mit den "Euthanasie"-Anstalten Brandenburg und Hartheim bei Linz in Österreich stattzufinden habe, mit dem Ziel der Beurkundung eines anderen Todesortes. So wurden Akten von Grafeneck nach diesen Anstalten versandt und umgekehrt.

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Standesamt

Die "Euthanasie"-Anstalten konnten die massenhaften Tötungen schlecht im nächsten Standesamt beurkunden lassen, ohne dass Verdacht aufgekommen wäre. Deshalb erhielt jede Anstalt ein eigenes Sonderstandesamt.

In Grafeneck war ab Januar 1940 ein Kriminalobersekretär als Standesbeamter tätig, der im Juli zum Kriminalkommissar befördert, nach einer Denunziation aber im August entlassen und durch einen Kriminaloberassistenten ersetzt wurde. Beide Standesbeamten ahmten das Tarnungsverhalten der Ärzte nach und unterzeichneten mit den falschen Namen "Hase" und "Lemm". Sie stellten die Sterbeurkunde mit dem von der Absteck-Abteilung vorgegebenen Todesdatum und der anschließend vom Arzt bescheinigten Todesursache aus.

Beisetzung

In den meisten Trostbriefen wurde den Angehörigen die Möglichkeit gegeben, die sterblichen Überreste des vergasten Angehörigen in einer Urne auf einen Friedhof zugestellt zu erhalten, wenn ein solcher angegeben wurde. In diesem Fall entstanden den Angehörigen nur die Kosten der Beisetzung, die Übersendung der Urne wurde aus Reichs-ausgleichsmitteln bezahlt.

Die Metallurnen mit Deckel wurden von der Gekrat in einer Metallwarenfabrik in Lünen/Westfalen abgeholt. In die Deckel wurde dann zum Versand an die Angehörigen oben eine Nummer eingestanzt, darunter Name, Geburtstag und -ort, Sterbetag und -ort und schließlich der Tag der Einäscherung. Die eingestanzte Nummer war die gleiche, die den Kranken bei der Abholung in der Anstalt als Personenkennziffer mit Tintenstift auf den Rücken, in den Nacken oder auf den Arm geschrieben worden war. Sie deckt sich auch mit der Nummer, die in die Transportliste und in die Krankenakte eingetragen war. Vom Einstieg in den grauen Bus an zählte nur noch diese Nummer, die Namen der Patienten spielten keine Rolle mehr.

Die Urnen wurden vom Grafenecker "Euthanasie"-Personal nicht im nahen Münsingen auf die Post gegeben, da auf dem kleinen Postamt derlei Massensendungen aufgefallen wären, sondern in Stuttgart, Ulm und anderen Orten, wohin regelmäßig Kuriere fuhren. In Grafeneck führte die Verwaltung auch ein Urnenbuch, in dem alle versandten Urnen mit laufender Nummer eingetragen sowie mit einem Vermerk zum Ort der Urnenbestattung versehen wurde.

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